Sollen sich Anleger vor einer möglichen Immobilienblase fürchten?

Jede Blase ist anders. Eine Blase am Aktienmarkt trifft Anleger besonders hart, weil der Verlust gleich ersichtlich wird und dies weil eine Anlage, die prinzipiell jederzeit verfügbar ist, im Falle des Platzen einer Blase nur mit hohen Verlusten noch verkäuflich ist. Zudem setzen sehr viele Anleger beim Kauf von Aktien auf den Wertzuwachs und nicht auf laufende Erträge aus Dividenden. Und statt Wertzuwachs sind nun beim Platzen der Blase nur noch Verluste zu verzeichnen. Klar, dass dann das Platzen einer Blase am Aktienmarkt Anleger empfindlich trifft.

Würden die Anleger am Aktienmarkt nicht so sehr auf die Verfügbarkeit achten, und also nicht dann verkaufen, wenn die Blase geplatzt ist, und würden sie ihre Aktien auch nach dem Verlust weiter behalten, könnten sie davon ausgehen, dass in sehr vielen Szenarien nach einigen Jahren die Verluste wieder aufgeholt sind. Es bleibt natürlich in diesem Zeitraum des Abwartens, dass Problem der laufenden Erträge. Wenn man – wie gesagt – nicht auf die Dividenden abstellt, sollte man auch in der Erholungsphase kein Geld aus seinem Depot entnehmen.

Wie sieht es nun beim Platzen einer Immobilienblase aus?

Zunächst einmal betrachten wir die laufenden Erträge. Diese stammen aus den Mieteinnahmen. Platzt eine Immobilienblase, verlieren Immobilien also auf einen Schlag deutlich an Wert, so hat dies natürlich keine direkten Auswirkungen auf die Erträge. Hat der Anleger seine Immobilien erst einmal vermietet, so wird das Mietverhältnis nicht durch die Preisentwicklung der Immobilie berührt. Weder führt das Gegenteil des Platzen einer Immobilienblase, nämlich eine weitere positive Wertentwicklung automatisch zu steigenden Mieteinnahmen, noch führt ein plötzlicher Preisverfall auf dem Immobilienmarkt dazu, dass ein Mieter seine Miete kürzen kann.

Das Platzen einer Immobilienblase hat also in den meisten Fällen keine Auswirkungen auf die laufenden Einnahmen.

Nur wenn ein privater Anleger auf die jederzeitige Verfügbarkeit des in die Immobilie investierten Geldes setzt, und genau zu diesem Zeitpunkt seine vermietete Wohnung verkauft, muss er nach dem Platzen einer Immobilienblase mit Verluste rechnen. Aber wohl kaum ein Anleger kauft eine Immobilie, damit er die Option hat, diese jederzeit wieder zu Geld machen zu können.

Also, alles halb so wild mit dem Thema Immobilienblase?

Aber warum,dann diese wiederholten Warnungen vor einer Immobilienblase? Und warum wird extra ein neues Gesetz zur Verhinderung von Immobilienblasen eingeführt? Nun dies ergibt sich schon aus dem einführenden Text zu diesem Gesetz (1):

„In vielen europäischen Ländern sind faule Immobilienkredite bei Banken ein Problem und belasten Kreditinstitute bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Damit es in Deutschland nicht so weit kommt, hat der Bundestag am Donnerstag, 30. März 2017, ein Maßnahmenbündel beschlossen, um Gefahren für die Finanzmarktstabilität im Immobilienbereich abwehren zu können.“

Ja, tatsächlich können Immobilienblase für Banken gefährlich werden, was im Extrem erneut dazu führen könnte,dass Sparer wieder um Ihre Einlagen, Spar- und Tagesgeldkonten fürchten.

Erfahrungsgemäß flüchten diese Anleger dann aber,manchmal auch zeitversetzt, in Gold und Immobilien. Was häufig auch sinnvoll sein kann. So könnte man also auch argumentieren, dass es gerade beim Platzen einer Immobilienblase sinnvoll sein kann, eine Immobilie zu besitzen. Man sollte allerdings nicht gezwungen sein, die Immobilie verkaufen zu müssen.

Die häufig beschworene Gefahr einer Immobilienblase könnte so gesehen also gerade ein Grund sein, um in Immobilien zu investieren.

Hinweis: Dies ist eine Meinung und stellt keine Anlageempfehlung dar. Grundsätzlich können auch andere denkbare Gefahren im Falle des Platzens einer Immobilienblase entstehen.

(1) Deutscher Bundestag: Gesetz gegen die Gefahren von Immobilienblasen beschlossen

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