Halten die Versprechungen? Ganz, ganz langfristig in Aktien investieren

Ganz, ganz langfristig in Aktien investieren: Was hätte es gebracht?  Manchmal werden Aktien überschätzt. Zum Beispiel in einem Zeitraum von 116 Jahren (!) konnte man in Österreich nur eine jährliche reale Rendite von 0,8% erwirtschaften. Gut, das war nicht in allen Ländern so. In 21 Ländern weltweit, die in einer Studie der Credit Suisse untersucht wurden, gab es beträchtliche Unterschiede (1). Die Spanne der jährlichen Wertentwicklung reichte von 7,2% in Südafrika bis zu eben besagten 0,8% in Österreich. Und immerhin der Durchschnitt der 21 untersuchten Länder erbrachte eine reale (nach Abzug der Inflation in der jeweiligen Landeswährung) Wertentwicklung von 4,57%. Die folgende Grafik zeigt die Wertentwicklungen für einzelne Länder, wobei die roten Balken für unterdurchschnittliche Ergebnisse stehen.

Aber welche praktische Bedeutung hat es, einen Zeitraum von 116 Jahren zu betrachten? Auch wenn die Lebenserwartung steigt, wird der Anleger hier von wohl kaum persönlichen Nutzen haben.

Betrachten wir also kürzere Anlagedauern, die ebenfalls untersucht wurden.

Im Zeitraum von 1980 bis 1999 wurde immerhin eine durchschnittliche Wertentwicklung von 11,7% erreicht. Eine durchaus lohnende Anlageperiode. Vor allen für diejenigen Anleger, die ihre jährlichen Erträge immer wiederangelegt häten. Denn dann wären aus einem Kapital von 1.000 € (bzw. des umgerechneten DM-Betrages) ein Vermögen von 53.692 € geworden, wobei wir das Thema Steuern einmal außen vor lassen.

Diese Betrachtung gilt aber nicht für alle Perioden, vom Jahr 2000 bis 2016 sah es nämlich wieder ziemlich mau aus. Zwar konnte man im Durchschnitt immerhin noch 3,15% erzielen, aber in vier Ländern (Finnland, Italien, Spanien und Portugal) fiel das Ergebnis negativ aus.

Die immer wieder zu lesenden oder zu hörenden Empfehlungen mit dem Tenor, langfristig könne man mit Aktienanlagen nichts falsch machen, können also durchaus zu Enttäuschungen führen. Dies gilt für den österreichischen Erben eines entsprechenden Aktienpakets aus dem Jahr 1900, der sich mit mageren 0,8% realer Rendite zufrieden geben muss, ebenso wie für einen finnländischen Anleger, der im Jahr 2000 einen Geldbetrag von 1.000 angelegt hatte, und Ende 2016 real nur noch über 897 verfügt, ganz zu schweigen von dem Portugiesen, dem rund 35% seines realen Kapitals verloren gegangen sind.

Wir hier in Deutschland konnten in den betrachteten Perioden jedenfalls nichts verlieren, lagen aber immer etwas unter dem Durchschnitt, wie die oben genannten Grafiken zeigen. In einigen Ländern dagegen stellten sich  die Ergebnisse auch über mehrere Perioden besser dar.

Über alle betrachteten Perioden konnten sich die Dänen und die Schweden sich über überdurchschnittliche Wertentwicklungen freuen (in der folgenden Grafik gelb unterlegt) und immer gab es 8 weitere Länder, die in mindestens zwei der betrachteten Perioden überdurchschnittliche Ergebnisse hatten: Australien, Dänemark, Finnland, Groß Britannien, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Schweden, Südafrika und die USA.

Ist nun das zwar noch ordentliche, aber unterdurchschnittliche Ergebnis in Deutschland, ein Grund dafür, dass wir immer wieder als Aktienmuffel bezeichnet werden?

In einer Untersuchung von der comdirect bank AG und dem Handelsblatt Research Institute (2) finden sich für einige ausgewählte Länder folgende Aktionärsquoten:

Von den oben aufgeführten Gewinnern (Ländern mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung) finden sich in dieser Auswertung nur 2 Länder, die USA und Schweden, wieder. Zumindest bei den USA ist noch zu beachten, dass sich der hohe Anteil auch daraus ergibt, dass ein Großteil der Aktienanlagen durch die dortige Form der Altersversorgung ergibt. Damit sind die hier genannten Zahlen zwar nicht ausreichend, um einen echten Zusammenhang zwischen Erfolg der nationalen Aktienanlagen und der Aktionärsquote herzuleiten. Nur, gäbe es einen solchen Zusammenhang, müsste die Aktionärsquote in Schweden wesentlich höher liegen. Auch aus einem weiteren Grund ist kein Zusammenhang abzuleiten, denn deutsche und schwedische Aktionäre investieren nicht nur in Aktien der Heimatländer.

Was ist der Grund für die geringe Aktienquote – und was könnte man daraus folgern?

Der Grund für die geringe Aktienquote liegt vielleicht eher darin, dass es häufig tatsächlich eine Diskrepanz zwischen der Aussage, Aktien seien auf lange Sicht immer lohnend und der tatsächlichen persönlichen Erfahrung gibt. Wohl kaum jemand wählt für sich ein Anlagezeitraum von 116 Jahren. Und wer von 2000 bis 2016 in Aktien investiert war, hat in vielen Ländern kein überragendes Ergebnis erzielt. Wer aber gänzlich auf Aktienanlagen verzichtet hatte, dem sind aber eben auch 2 Jahrzehnte guter Erträge (1980 bis 1999) entgangen.

Die hier gezeigten Zahlen sind jedenfalls kein Argument, aus dem sich die vielfach hochgelobte  Buy and Hold Strategie als unbedingt empfehlenswert ableiten lässt. Es gibt hervorragende Zeiten für Aktienanlagen, durchschnittliche Zeiten und sogar negative Perioden. Und dies ist zudem noch in den einzelnen regionalen Aktienmärkten unterschiedlich. Wie soll da die Strategie einmal zu kaufen und dann einfach abzuwarten aufgehen?

Es gibt zwar keine Gewähr, dass eine aktive Anlagestrategie immer aufgeht, aber durchaus eine Chance, dass eine solche aktive Vorgehensweise die Anforderungen der Sparer und Anleger eher erfüllt. Hierfür bietet der Markt der Kapitalanlagen mit seiner sehr großen Vielfalt, die in ihrer ganzen Ausprägung häufig nicht bekannt ist, durchaus Instrumente. Allerdings kann wohl kaum eine einzige Form der Geldanlage oder des Sparens solche Anforderungen erfüllen. Entscheidend ist eine geschickte Zusammenstellung, laufende Beobachtung und soweit erforderlich auch eine Änderung der Anlagenzusammensetzung.

Aber auch dabei lässt sich dann niemals die Sicherheit eines Sparbuchs erreichen, wenn man denn unterstellt, dass die Garantien für Sparbücher und ähnliche Anlagen sicher sind, wofür es zumindest teilweise gesetzliche Grundlagen gibt.

Warnhinweis:

Dieser Beitrag stellt keine generelle Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie und/oder Anlageklasse dar. Generell sind Anlagen zum Beispiel in Aktieninvestmentfonds mit hohen Verlustrisiken verbunden. Dies gilt auch bei aktiven Anlagestrategien. Im ungünstigen Fall können durch höhere Aktivitäten, wie zum Beispiel einem häufigen Wechsel zusätzliche Verluste entstehen.


(1) Fonds professionell Online, 27.2.2017 Für Super-Geduldige: Die besten Börsen der letzten 117 Jahre

(2) Comdirect, Factbook Aktie 2013

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