Blase am Rentenmarkt? Als wäre dies dort das einzige Problem.

Denken Sie bei Ihren Anlageentscheidung immer daran, dass jede Anlage durch das magische Dreieck gekennzeichnet ist. Die Ecken dieses Dreiecks weisen auf folgende wesentliche Eigenschaften jeder Geldanlage hin: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität. „Magisch“ heißt das Dreieck wohl deswegen, weil es Zauberei wäre, wenn irgendeine Geldanlage alle drei Eigenschaften optimal erfüllen würde. Der Anleger muss sich also entscheiden.

Wenn von einer Blase am Rentenmarkt gesprochen wird,  berührt dies im Wesentlichen den Aspekt Rentabilität und damit in gewisser Hinsicht auch den Aspekt Sicherheit. Durch Draghis Aufkäufe von Anleihen sind die Zinsen von Staatsanleihen immer weiter gesunken. Vielleicht verblüffend für einige Privatanleger, aber dadurch ist Rentabilität älterer Staatsanleihen gestiegen. Diese hatten in der Regel einen höheren Zins als die aktuell herausgegeben Wertpapiere. Damit sind sie begehrenswerter und Anleger sind bereits einen höheren Preis als den Nominalwert dieser Anleihen zu zahlen.

Sinkende Zinsen lassen Wertpapiere also wertvoller werden. Aber dieser Effekt zeigt sich auch in anderer Richtung: Steigen irgendwann die Zinsen, werden die jetzt herausgegeben Staatsanleihen an Wert verlieren. Je nachdem wie hoch und schnell die Zinsen steigen, würde dann eine Rentenblase platzen können.

Es gibt aber ein weiteres Problem in einem anderen Marktsegment für festverzinsliche Wertpapiere, und dies sind die Unternehmensanleihen. Hier müssen wir uns einem anderen Aspekt des magischen Dreiecks zuwenden, dem der Liquidität. Wie Sie dieser Pressesammlung auf unserem Blog finanzenlounge entnehmen können, ist es nämlich seit längerem nur sehr schwer möglich Unternehmensanleihen zu handeln. Damit könnten sich potenziell Probleme ergeben, wenn der Anleger an sein Geld kommen möchte, welches er entweder direkt in Unternehmensanleihen, indirekt in Renten-Investmentfonds oder möglicherweise auch Mischfonds angelegt hat.

Nun könnte man argumentieren, dass dieses Problem dadurch abnimmt, dass die EZB Zukunft auch Unternehmensanleihen kauft. Dadurch wird ja Liquidität geschaffen.

Tatsächlich?

Schauen Sie sich einmal dazu einige Zahlen an. Dazu gehen wir von den Handelsvolumen an Anleihen (Staatsanleihen und Unternehmensanleihen) in den ersten 3 Quartalen 2015 aus. Die Zahlen hierzu stammen von der WFE:

12062016b1

Die EMEA Staaten umfassen zwar mehr als Europa (daneben noch den Nahen Osten und Afrika), aber ein Großteil der Handelsvoumina dürfte auf Europa entfallen. Der Umfang der Ankäufe durch die EZB ist zwar beträchtlich, aber es ist davon auszugehen, dass die EZB die angekauften Anleihen nicht gleich wieder verkauft. So handelt es sich also um einmalige Effekte. Zudem darf die EZB nur bestimmte Unternehmensanleihen aufkaufen, so dass dadurch wohl kaum die hesamte Marktliquidität erhöht werden (2). Und es kommt noch etwas hinzu. Das Handelsvolumen gibt nicht den Gesamtbestand der ausstehenden Anleihen wieder. Dazu ein Beispiel aus den USA:

11062016ua

Ende 2014 betrug der Bestand der ausstehenden US-Unternehmensanleihen 10.000 Mrd US-$. Das gesamte Handelsvolumen von Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) belief sich laut WFE in den USA auf 347 Mrd. US-$, also ca 3,4%.

Somit dürfte der Effekt der EZB Maßnahmen auf die Kurse von Anleihen hoch sein, weil der Anteil am Handelsvolumen relativ groß ist, der Effekt auf eine Erhöhung der Liquidität am Markt – in Hinblick auf die Möglichkeit jederzeit beliebig große Summen an Unternehmensanleihen verkaufen zu können – könnte aber gering bleiben.


(1) Download der WFE (World Federation of Exchanges, die internationale Interessenvertretung der Börsen): 2015 Market Highlights

(2) Weitere Informationen dazu z.B. in diesem Handelsblatt-Artikel

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