Finanzielle Repression erfordert ein Überdenken der Anlagestrategien

Am Mittwoch, den 4.April wurde es jetzt beschlossene Sache: Die europäische Zentralbank hat entschieden, dass in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2018 die Ausgabe neuer 500 € Scheine eingestellt werden soll. Steht wirklich nur der Gedanke dahinter, kriminelle Aktivitäten einzuschränken oder soll darüber hinaus ganz allgemein die finanzielle Freiheit des Geldverkehrs eingeschränkt werden? Unwahrscheinlich, dass nur die Kriminalitätsbekämpfung der Grund ist. Denn wenn wir die Debatte um Terrorismusbekämpfung verfolgen, so heißt es dort – entgegengesetzt zur Argumentation bei der Abschaffung des 500 € Scheins-, dass wir alle zugunsten unserer täglichen Lebensfreiheit mit gewissen Gefahren leben müssen.

Was ist finanzielle Repression?

Die US-Ökonomen Edward S. Shaw und Ronald McKinnon bezeichnen  „finanzielle Repression“ allgemein staatliche Maßnahmen zur Regulierung der Märkte, welche Mittel von Privaten zum Staat umleiten. Als konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der finanziellen Repressionen nennt die bekannte US-Ökonomin Carmen Reinhart (1)

  1. Zinssätze auf Staatsschulden werden nach oben beschränkt.
  2. Verstaatlichung von Banken, wobei gleichzeitig für andere Banken der Marktzutritt behindert wird.
  3. Nationale Banken werden angehalten, Anleihen des eigenen Staates zu kaufen oder als Reserven zu halten.
  4. Kontrolle des Kapitalverkehrs

Wir sind schon weiter auf dem Weg in die finanzielle Repression als Sie denken

Zu 1: Das haben wir bereits, durchschnittliche Staatsanleihen werden mit 0 % verzinst

Zu 2: Das hatten wir gerade vor einigen Jahren, denken Sie an die Commerzbank nach der Finanzkrise

Zu 3: Das gibt es schon geraume Zeit. Banken, die Staatsanleihen kaufen, werden indirekt in ihrer Bilanz belohnt

Zu 4: Ist die Abschaffung des 500 € Scheins der erste Schritt auf diesem Weg?

Muss die finanzielle Repression nur vom Staat ausgehen?

Offensichtlich nicht, denn die „Null-Verzinsung“ von Staatsanleihen ist eine Folge der EZB-Politik. So beschreibt auch der Allianz-Chef Oliver Bäte:  „Was die EZB betreibt, ist finanzielle Repression“ (1).Mit dieser Politik versucht die EZB bisher noch nicht sehr erfolgreich die Preissteigerungsrate in der Euro-Zone auf das gewünschte Niveau von 2% anzuheben. Dies alles um die gefürchteten Folgen einer Deflation zu vermeiden. Eine Deflation würde – nach einem sehr einfachen Erklärungsansatz – dazu führen, dass die Verbraucher sich mit ihren Käufen zurück halten, weil sie erwarten, dass die Preise weiter sinken. Weniger Käufe bedeuten weniger Gewinne für die Unternehmen. Dies wiederum hätte zur Folge, dass Entlassungen stattfinden und Unternehmen auch nicht mehr investieren. Eine Deflation kann also tatsächlich geradewegs in eine gr0ße Wirtschaftskrise führen.

Man kann aber auch andere Motive hinter der EZB Politik des billigen Geldes entdecken, die es ebenfalls sinnvoll (?) erscheinen lassen, die Zinsen für Staatsanleihen so weit wie möglich zu drücken. Denken sie in diesem Zusammenhang daran, dass die Niedrigzinspolitik der EZB unmittelbar nach dem Jahr 2008 begann, in dem die Welt eine der größten Finanzkrise bedingt durch die Bankenpleiten erlebte. Um den Zusammenbruch des gesamten Weltfinanzsystems zu verhindern, mussten die Staaten eingreifen.  Und dazu benötigten sie Geld.

Politiker hätten natürlich die Steuern erhöhen können, was aber immer Wählerstimmen kostet. „Besser“ ist dazu eine Kreditaufnahme in Form der Auflage von zusätzlichen Staatsanleihen.

Eine Erhöhung der Steuern mag zwar „ehrlicher“ sein, wäre aber gerade in der Situation 2008/9 auch schädlich für die Wirtschaft gewesen. Auch so hatte die Finanzkrise schon zu einem massiven Einbruch der Realwirtschaft geführt. Allerdings, eine zusätzliche Staatsverschuldung könnte bei steigender Zinsbelastung ebenso das Wirtschaftswachstum schwächen. In dieser Hinsicht kam die EZB mit der Einführung der niedrigen Zinsen dem Staat und der Wirtschaft hilfreich entgegen.

Ist dann nun nicht eigentlich alles in Ordnung?

Mal abgesehen, dass die Sparer auf andere Anlagen als Sparbücher, Festgelder und konventionelle Lebensversicherung ausweichen müssten, um Rendite zu erzielen.

Nein,

denn als Folge der Finanzkrise verstecken sich  immer noch gewaltige finanzielle Lasten für den Staat in Bürgschaften, die so nicht als Staatsverschuldung ausgewiesen sind.

Im Jahr 2014 beliefen sich die noch bestehenden einmaligen Bürgschaften der Bundesrepublik auf 16,4% des Bruttoinlandsprodukts. Und diese Bürgschaften beziehen sich laut dem Vize-Chefredakteur des Corriere della Sera  Federico Fubini auf Staatsgarantien für Banken (3).

16,4% des Bruttoinlandsprodukts entspricht allem, was wir in Deutschland in 2 Monaten an Gütern produzieren und an Dienstleistungen erbringen.

Nun muss nicht jede Bürgschaft zu Verlusten führen, aber selbst 1 Monat für noch nicht bewältigte Folgen der Bankenkrise wird wohl kein Politiker uns zumuten wollen. Dann wird wohl eher weiter den etwas versteckten Weg hinein in die finanzielle Repression gegangen.

Jeder Sparer, der diese Gefahr sieht, sollte dieses Thema bei der Strukturierung seiner Sparvorgänge und seines Vermögens berücksichtigen. Um ein solche Strategie zu entwickeln, eignet sich die Aufzählung der 4 wesentlichen Maßnahmen zur Umsetzung der finanziellen Repression von Carmen Reinhardt sehr gut. Es ist also zu prüfen, wie jede einzelne Form der Geldanlage und des Sparens bei einer Verschärfung – denn wie gezeigt, sind die Maßnahmen schon teilweise umgesetzt – reagiert. Dies alles muss vor dem Hintergrund der persönlichen Finanzsituation des Sparers erfolgen. Geeignete Mittel und Wege sind dabei nicht nur für größere Vermögen zu finden. Und das ist gut, denn eine finanzielle Repression trifft nahezu jeden.


(1) Wikepedia

(2) Manager Magazin: Allianz-Chef Oliver Bäte zur Niedrigzinspolitik „Was die EZB betreibt, ist finanzielle Repression

(3) Eurostat

(4) Die Zeit , Printausgabe, 4. Mai 2016, Seite 33

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