Der Wettlauf um niedrige Zinsen und billige Währungen: Ist mit internationalen Renten noch Rendite zu erzielen?

Es geht noch tiefer. Jüngst kündigte Japans Notenbankgouverneur Kuroda an, dass aufgrund der Aufwertung der japanischen Währung Yen gegenüber dem US-Dollar weitere Lockerungsmaßnahmen notwendig werden könnten. Und auch der Finanzminister Taro Aso bestärkte, dass diverse Maßnahmen zur Verfügung ständen, um den Yen zu stabilisieren. Beides nachzulesen hier:

Reuters: Japan Finance Minister Aso – To take ‚various steps‘ vs rapid FX moves

The Wall Street Journal: Kuroda Sees Yen Rise as Threat to Inflation Goal

Dabei liegt der japanische Leitzins schon bei -0,1%.

Wo gibt es eigentlich noch hohe Leitzinsen? Schaut man sich die Wirtschaftsräume an, die in der Rangliste der Wirtschaftskraft zu den zehn stärksten Wirtschaftsräumen zählen, lassen sich zwar durchaus einige finden, die noch bemerkenswerte Zinsen haben, diese gehen aber oft mit einer wirtschaftlichen Instabilität einher, wie zum Beispiel Brasilien und Russland. Bei China und Indien sind die Meinungen hinsichtlich der Stabilität geteilt.

19042016z

Interessant scheint da auf dem ersten Blick am ehesten noch Australien. Allerdings soll laut Goldman Sachs dem Sitzungsprotokoll der australischen Zentralbank zu entnehmen sein, dass weiterhin ein Hang zur geldpolitischen Lockerung bestehen soll. Für kurzfristige Zinsänderungem gäbe es aber keinen eindeutigen Hinweis.

Mit niedrigen Zinsen können die Zentralbanken versuchen, unterschiedliche Ziele zu verfolgen, wie zum Beispiel den inländischen Konsum auf Kreditbasis oder auch heimische Investitionen der Industrie anzukurbeln. Sie können aber auch bewusst versuchen, ihre Währungen billig zu halten, um so mehr zu exportieren. Wenn aber viele Länder dieses Ziel verfolgen, müssten die Zinsen immer weiter sinken. Es entsteht dann ein Abwertungswettlauf der exportorientierten Länder. Für Länder, die auf Importe angewiesen sind, ist eine Abwertung natürlich nicht positiv. Die Aufzählung dieser Ziele ist aber bei weitem nicht abschliessend.

Kann man dann mit internationalen Anleihen (mal ausgenommen die – noch- riskanteren Junkbonds)  überhaupt noch Geld verdienen, wenn ein Abwertungswettlauf erwartet wird oder sollte man hier auf Diversifikation verzichten?

Wenn Zinsen sinken, steigen zwar die Kurse der entsprechenden Wertpapiere, aber zugleich kann der Kurs der Währung sinken. Das sieht nach einem Nullsummenspiel aus. Es muss aber kein Nullsummenspiel sein, wenn man Zeitpunkte, unterschiedliche Markterwartungen und zwischen verschiedenen Währungspaaren unterscheidet. Ansonsten wäre es mit der einfachen Gleichung:

  • Zinsen sinken > Kurse steigen > aber Währungsverluste entstehen

kaum möglich gewesen mit Investmentfonds, die in internationale Staatsanleihen investieren, positive Renditen zu erzielen. Und dies war seit dem Endes des Aktien-Crashjahres 2008 durchaus möglich.

Der Durchschnitt aller Investmentfonds, die in internationale Renten investieren, hatte seit Anfang 2009 bis Ende 2015 (Zeiten sinkender Zinsen) eine durchschnittliche jährliche Wertentwicklung von etwas über 6 %. Dies umfasst allerdings nicht nur Staatsanleihen und nicht nur gut geratete Papiere.

Auch hier zeigt sich, dass Änderungen der Wechselkurse zwischen unterschiedlichen Währungen durchaus nennenswerte Renditebeiträge bringen können. Dass diese Aussage auch für Aktienfonds gelten, haben wir in diesem Beitrag Feinheiten bei der Fondsauswahl mit großen Wirkungen: Währungen bereits aufgezeigt.


Disclaimer: Die Aufzählung für Gründe, die die Wertentwicklung der genannten Papiere bestimmen ist nicht vollständig. Zudem lassen sich aus vergangenen Wertentwicklungen keine in jedem Fall verlässlichen Schlüsse für künftige Entwicklungen ziehen. Es muss daher betont werden, dass mit Geldanlagen in internationale Rentenfonds auch beträchtliche Risiken einhergehen. In soweit ist es falsch und nicht angebracht, in diesem Artikel eine Anlageempfehlung zu sehen.

 

 

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