Was Kunden einer Hamburger Privatbank vielleicht noch etwas mehr interessiert als Panama-Papers: Eigenkapitalrendite und eigene Rendite.

Die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ und Privatbanken, eigentlich passt beides gut zu einer typischen Hansestadt, seriös und etwas zurückhaltend, jedenfalls nicht marktschreiend. Schade dann, jedenfalls für die Hamburger Privatbank Berenberg, wenn ausgerechnet „Die Zeit“ die Panama-Papers zum Anlass nimmt, ein ganzseitiges Porträt der Privatbank zu zeichnen. Denn eigentlich ist es keine Besonderheit, so zeigen es jedenfalls viele Zeitungsmeldungen, dass Banken Verbindungen zu Vermittlern haben, die bei der Errichtung von Briefkastenfirmen unterstützen. Und es ist ja auch zu betonen, dass allein die Errichtung einer Briefkastenfirma nicht illegal ist.

Aber dieser Blog hat nicht die primäre Aufgabe, Banken kritisch zu beobachten (dies ist neben anderen Themen mehr ein Bereich unseres übergreifenden Blogs finanzenlounge). Hier, in diesem Blog, geht es immer konkret um Geldanlagen. Und da war es interessant, zu lesen, dass die Berenberg Bank 2015 eine Eigenkapitalrendite von 68% erreicht hat. Das heißt- etwas sehr vereinfacht ausgedrückt: Die Eigentümer der Bank haben auf das nominale Eigenkapital allein in einem Jahr ein Plus von 68% erreicht. Und die Berenberg Bank verdient anders als die meisten anderen Banken nur relativ wenig Geld dadurch, dass sie Geld von Sparern einsammelt und dieses als Kredite weiter verleiht (Oder genauer formuliert, dieser Geschäftsbereich macht nur einen kleinen Teil ihrer Aktivitäten aus). Die Bank macht Finanzmarktgeschäfte, wozu neben der Vermögensverwaltung unter anderem auch die Vorbereitung und Durchführung von Börsengängen gehören.

Für potentielle Geldanleger mag es nun verlockend klingen: Kunde einer Bank zu werden, die für sich selbst an Finanzmärkten bis zu 68% erzielt. Diese Bank müsste doch auch fähig sein, für ihre Kunden Top-Renditen zu erwirtschaften. Und es besteht ja auch keine Zugangssperre, um von dem Know-how zu profitieren, wenn man Investmentfonds der Berenberg Bank erwirbt. Dazu braucht niemand die Mindestanlage-Kriterien für eine Privatkundenbetreuung durch die Bank erfüllen. Investmentfondsanteile kann man bekanntlich schon ab 100 € oder weniger erwerben.

Profitieren die Investmentfonds der Berenberg Bank aber tatsächlich aus dem mit diesem Gedankengang abgeleiteten Know-how?

Auf der Webseite der Berenberg Bank sind diverse Publikumfonds, die jeder erwerben kann, aufgeführt. Dabei wird unterschieden zwischen

  • Vermögensverwaltende Fonds
  • Rentenfonds
  • Aktienfonds
  • Total-Return-orientierte Fonds

Weil Privatbanken von deren Kunden überwiegend wegen eines ganzheitlichen Beratungsansatzes gewählt werden, haben wir einmal die Ergebnisse der vermögensverwaltenden Fonds mit dem Durchschnitt aller Fonds anderer Anbieter verglichen. Dazu haben wir sowohl die Daten als auch die Einordnung von FVBS, einer großen Fondsdatenbank, zugrundegelegt. Die verschiedenen Investmentfonds der Berenberg Bank lassen sich danach wie folgt einordnen:

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Die Fonds werden unterschiedlich lange angeboten, daher werden in den folgenden Grafiken unterschiedliche Zeiträume betrachtet:

Mischfonds primär Anleihen/Welt

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Mischfonds primär Anleihen/Europa

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Mischfonds primär Aktien/Europa

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Mischfonds Aktien + Anleihen/ Europa

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Mischfonds primär Aktien Welt

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Dachfonds Aktien + Renten

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Dachfonds überwiegend Aktien

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Auch wenn es beim Vergleich von Charts einiges zu beachten gilt, ist der erste Blick für Anleger enttäuschend, die von der sehr hohen Eigenkapitalrendite der Bank auf eine besonders gute Kapitalmarkteinschätzung und damit auf eine mögliche überdurchschnittliche Rendite ihrer Investmentfondsanlagen schließen. Immerhin aber wurden die Aktienmarkteinbrüche 2008 nicht so stark mitgenommen wie es im Durchschnitt der Fonds der Fall war. Nur leider galt dies für den folgenden Einbruch 2011 nicht. Aber auch hier gelten Einschränkungen. Soweit sich der Fonds auf Europa konzentrierte (Berenberg-1590-Substanz-Universal) lag das Ergebnis im Durchschnitt. Und etwas besser als der Durchschnitt war im Jahr 2011 das Ergebnis auch, wenn die Berenberg Bank auf nicht hauseigene Fondsmanager zurückgriff, was bei einem Dachfonds der Fall ist. Das Börsencrashjahr 2011 überstand der Dachfonds Berenberg Strategy Allocation nahezu ohne Verluste. Nicht falsch verstehen: Die Auswahl der richtigen Fonds, auch wenn es nicht die eigenen Fonds sind, ist auch eine Leistung. Wir machen so etwas ja auch 🙂 .


 

Nachsatz/Disclaimer:

Dieser Beitrag stellt weder eine Aufforderung dar, die genannten Fonds zu kaufen, noch diese zu verkaufen. Viele Investmentfonds enthalten spezifische Merkmale, die dazu führen können, dass diese trotz auf den ersten Blick unterdurchschnittlicher Rendite in ein Depot passen können. Diese Merkmale werden bei der pauschalen Zuordnung zu Vergleichskategorien nicht immer ausreichend berücksichtigt.

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