Buy and Hold: Mit guten Aktien kann man nur gewinnen. Tatsächlich?

Wir schreiben zuweilen über das sogenannte magische Dreieck der Geldanlagen (1). Ganz zufällig sind wir dabei auf das DAX-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts e.V. gestossen: Viele Zahlen, durchaus ansprechend dargestellt und beispielhaft mit einer überzeugender Aussage (2):

„Das Prinzip:Wer Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, erzielte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,8 Prozent.“

Das  DAX-Rendite-Dreieck  zeigt graphisch für einzelne Jahre und unterschiedliche Anlagedauern auf, wie hoch die Rendite eines Anlegers ausgefallen wäre, der in der Vergangenheit in DAX-Werte investiert hätte. Positive Werte sind grün unterlegt, negative Werte rot. Fazit beim ersten Blick: „Fast alles grün“, man muss nur lange genug investiert sein. Ist dies ein Beleg für die vielfach empfohlene Anlagestrategie Buy and Hold, also kaufen und dann einfach abwarten?

Nun wir haben einen Gegencheck gemacht und dazu die Daten des Softwareanbieters FVBS zugrundegelegt.

Tatsächlich spielt die Haltedauer eine wesentliche Rolle für den Anlageerfolg. Dazu haben wir für alle 5-, 10- , 15- und 20-Jahreszeiträume seit dem 1.1.1960 die Ergebnisse betrachtet:

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Im Durchschnitt aller 5-, 10- , 15- und 20-Jahreszeiträume seit dem 1.1.1960 konnte ein Anleger durchaus ordentliche Renditen zwischen 6% bis 7% erwirtschaften, wenn er jeweils zum 1. Januar sein Geld angelegt hätte. Der Anleger konnte aber auch in jedem der betrachten Zeiträume beachtenswerte zweistellige Renditen erwirtschaften. Anderseits, hätte der Anleger zu Beginn der „falschen“ Jahre investiert, müsste er damit leben, nach Ende der Anlageperiode Gesamtverluste zwischen 38,8% und 3,8% zu verbuchen.

Übrigens nimmt das absolute Verlustrisiko nicht mit der Anlagedauer ab. Bei einer 20-jährigen Anlagedauer wäre der Verlust höher ausgefallen, als bei einer 15-jährigen Anlagedauer. Buy and Hold kann also die Verluste erhöhen!

Nun kann das Ergebnis dadurch von der Realität, die der einzelne Anleger erlebt, abweichen. Denn in den Berechnungen ist unterstellt, dass die Anlage jeweils zum 1. Januar eines Jahres erfolgt. Tatsächlich legen nicht alle Anleger ihre Gelder zum 1. Januar an und entnehmen dann ihr Geld zum 31. Dezember nach 5, 10, 15 oder 20 Jahren. Wie sieht es also aus, wenn man zum Februar, März oder jeden folgenden Monat anlegt? Dazu müssen sogenannte rollierende Zeiträume betrachtet werden, wie in folgender Übersicht:

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Wie man deutlich erkennt, können die Verluste noch gravierender ausfallen. Wer den falschen Zeitpunkt zum Investieren gewählt hatte, und zum Beispiel 100.000 € in DAX-Werte investiert hatte, hatte nach 20 Jahren nur noch ein Vermögen in Höhe von 86.830 €. Wahrscheinlich wäre sein Depotwert noch deutlich geringer, wenn er in der Zwischenzeit die Dividenden aus den Aktien vereinnahmt hätte (Wir haben den DAX betrachtet, in dem eine Wiederanlage der Dividenden einberechnet wurde). Ich möchte gern die Antwort des Beraters , Journalisten oder wessen auch immer kennen, der diesem Anleger vor 20-Jahren zugesichert hatte, Buy and Hold geht immer auf oder die vergleichbare Aussage, mit guten deutschen Standardaktien könne man nichts falsch machen.

Aber möglicherweise kommt der Einwand, regelmässiges Anlegen über einen Sparplan würde zum Erfolg führen. Hier die entsprechende Ergebnisse, wobei auch wieder rollierende Monatszeiträume betrachtet wurden:

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Auch gleichmässiges monatliches Sparen in Aktien führt also nicht zwangsläufig immer zum Erfolg. In jedem Zeitraum kann es Anlegern passieren, dass die Strategie Buy and Hold zu nennenswerten Verlusten führt.

Was folgt daraus?

Kaufen und dann ruhig schlafen, kann zu einem bösen Erwachen würden. Lassen Sie sich bei Kursverlusten nicht durch Aussagen beruhigen, „es wird schon wieder, jetzt ruhig bleiben“. In vielen Fällen hilft dies zwar, wie die Durchschnittswerte zeigen, aber eben nicht in jedem Fall.

Übrigens betrifft diese Problematik, viele Sparer, die gar nicht so genau wissen, was mit Ihren Anlagen zum Beispiel in Form von fondsgebundenen Renten- oder Lebensversicherungen geschieht. Wenn Sie hierzu mehr wissen möchten, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.


(1) Zum Beispiel im Blog finanzenlounge Die drei Elemente jeder Geldanlage und unsere Illusionen

(2) Link zum DAX-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts e.V. 2015

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