Risiken für die Kapitalanlage Pflegeheim-Appartements durch Insolvenzen?

In Zeitungen können Sie sehr unterschiedliche und zum Teil deutlich gegensätzliche Meldungen zu Pflegeheim-Appartements als Kapitalanlage finden. Möchte man einmal positive Meldungen veröffentlichen, so lautet die Schlagzeile :

„Mit Pflegeheimen lässt sich reichlich Rendite machen“ (1)

dann aber wird gewarnt:

„Der Mythos vom Pflegeheim als Top-Investment“ (2)

Als ein Risikofaktor wird dabei in dem zweitgenannten Artikel der Ausfall des Pächters durch Insolvenzen beschrieben. Dieses Risiko ist für den Kapitalanleger durchaus von grundsätzlicher Relevanz, bedeutet es doch, dass die regelmäßige Pacht in Höhe von meist 5% (zunächst) entfällt. Die Pacht entspricht im Vergleich zu einer Eigentumswohnung als Kapitalanlage den Mieteinahmen, nur dass die Einnahmen aus der Wohnungsvermietung in der Regel meist wesentlich geringer ausfällt.

Insoweit erst einmal: Ja, mit Pflegeheim-Appartements lässt sich – nicht nur für institutionelle Investoren sondern auch für Privatanleger – „reichlich Rendite machen“. Zudem bestehen weitere Vorteile, wie ein häufig zwanzigjähriger Pachtvertrag mit automatisch steigender Pacht bei Zunahme der Inflation und sehr geringen Nebenkosten für den Privatanleger.

Aber was ist mit dem Risiko des Ausfalls des Pächters? Immerhin heißt es im zweiten genannten Beitrag: „ 2014 gingen deshalb mehr als 50 Heime Pleite, mehr als 500 meldeten seit 2005 Insolvenz an“ (2)

Diese Zahlen könnten im Zusammenhang mit der Überschrift „Mythos …“ einen Anleger schon davon abhalten, sich näher mit dieser Form der Immobilien-Anlage zu beschäftigen. Aber: Isolierte Zahlen besagen wenig über ein Risiko, bzw. genauer über die Wahrscheinlichkeit des Eintritts des Risiko. Zudem irritiert diese Zahl, wenn man weiß, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen rapide zunimmt. Weshalb sollte eine besondere Gefahr für den Anleger bestehen, wenn die Nachfrage nach Pflegeheimplätzen zunimmt?

Zahl der Pflegeheim Insolvenzen in Relation gesetzt

Um das Risiko genauer einzuschätzen, kann man zunächst die Insolvenzhäufigkeit unterschiedlicher Branchen betrachten. Pflegeheime gehören zum Gesundheitssektor und dort ist tatsächlich eine höhere Insolvenzhäufigkeit im Vergleich festzustellen:

21022016pfhs1Leider liefert das Statistische Bundesamt keinen allgemein zugänglichen Zahlen speziell zu den Insolvenzen von Pflegeheimbetreibern. Wenn wir aber die oben genannten 50 Pleiten von Pflegeheimen in 2013 zugrunde legen und diese auf die Anzahl der Pflegeheime verteilen, so ergibt sich folgendes Bild:

21022016pfs2

Und schon stellen sich Pflegeheim-Appartements unter dem Aspekt des Insolvenzrisikos wieder als vergleichsweise solide Kapitalanlagen dar. Dennoch, wenn Sie im Netz zum Thema „Pflegeheim-Appartements“ surfen, werden Sie auch durch Studien belegte Mitteilungen, dass die Häufigkeit von Insolvenzen bei Pflegeheim-Appartements zunimmt, finden. Dabei ist es durchaus relevant auf Veränderungsgrößen zu achten, wenn man Risiken einschätzen möchte.

Sind Pflegeheim-Appartements also doch als Kapitalanlage aufgrund des Insolvenzrisikos besonders gefährlich? Dies widerspricht doch der Aussage des zunehmenden Bedarfs an Pflegeplätzen. Auch dieser Widerspruch lässt sich lösen. Dazu ist der Strukturwandel in diesem Marktsegment zu betrachten.

Wir werden hierzu in einem unserer nächsten Beiträge berichten. Folgen Sie uns, damit Sie nichts verpassen.


(1) Die Welt 16.4.2015 Mit Pflegeheimen lässt sich reichlich Rendite machen

(2) Die Welt 15.02.2016 Der Mythos vom Pflegeheim als Top-Investment

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