Investmentfonds: Anleger erhalten erst einmal kein Geld mehr aus 9 HWB Investmentfonds! 180 Mio € eingefroren?

Anleger, die Ihr Geld in HWB Investmentfonds Fonds investiert haben, können zunächst über ca. 180 Mio nicht mehr frei verfügen. Diese Summe basiert auf den für Oktober und Dezember 2015 veröffentlichten Zahlen. Die für diese Fonds zuständige Verwaltungsgesellschaft LRI Invest S.A. hatte bereits am 11. Februar entschieden, dass rückwirkend zum 10.Februar eine Auszahlung aus neun Investmentfonds nicht mehr erfolgt. Auch ein Fondstausch ist nicht mehr möglich.

Betroffen sind folgende Investmentfonds:

  • HWB Umbrella Fund – Victoria Strategies Portfolio V
  • HWB Umbrella Fund – HWB PORTFOLIO Plus Fonds V
  • HWB Umbrella Fund-HWB Wandelanleihen Plus
  • HWB Umbrella Fund-HWB Alexandra Strategies Portfolio
  • HWB Dachfonds-VeniVidiVici
  • HWB Gold & Silber Plus
  • HWB InvestWorld-International Portfolio
  • HWB InvestWorld-Europe Portfolio
  • NW Global Strategy

Die offizielle Begründung liegt darin, dass …

„da die Fonds wesentlich in mehrere werthaltige Vermögensgegenstände investiert sind, für welche bei den Marktteilnehmern eine große Unsicherheit bezüglich des fairen Wertes vorliegt, was sich mithin zunehmend in sehr weit auseinander gehenden Preisstellungen widerspiegelt und somit kein vernünftigerweise vorhersehbarer Veräußerungspreis vorliegt; respektive die Fonds in mehrere werthaltige Vermögenswerte investiert sind, für die derzeit keine Bewertung erfolgt und deren Veräußerung somit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist.“ (1)

Sehr transparent ist die Aussage nicht, weil allein anhand der Fondsbezeichnungen diese Fonds eigentlich in sehr unterschiedliche Anlageklassen investiert sein müssten. Und auch ein erster Blick auf Fonds-Factsheets, die eine in Beraterkreisen weit verbreitete Fondsplattform erstellt, zeigt, dass es sich um sehr unterschiedliche Fondsarten handelt. Zudem sind auch unterschiedliche regionale Anlageschwerpunkte definiert:

19022016 HWB1

Ein wenig mehr Klarheit liefert eine Meldung des Finanz Monitors (2), die sich als Quelle für ihre Meldung allerdings auf die  HWB Capital Management beruft. Hier wird auf Bewertungsfragen hinsichtlich Argentinien-Anleihen und Verhandlungen mit den Gesellschaften Elliott, Aurelius und NML hingewiesen. Eine genauere Bezeichnung der Gesellschaften fehlt. Eine erste Recherche deutet aber daraufhin, dass es sich zumindest bei Elliot um eine Hedgefonds-Gesellschaft handelt.

Schaut man sich anhand der Factsheets, die Top-Holdings an, so fällt auf, dass bis zu 50% des Anlagevermögens der Investmentfonds bei einigen der genannten Fonds in nur zwei (!) Argentinien-Anleihen stecken. Andere Fonds der HWB wiederum haben in diese Fonds investiert.

Nicht erklärlich ist aber (zumindest auf den ersten Blick), weshalb auch der Aktienfonds HWB Umbrella Fund-HWB Alexandra Strategies Portfolio von den eingeschränkten Bewertungsmöglichkeiten und der eingeschränkten Handelbarkeit betroffen sein soll. Laut Factsheet müsste dieser Fonds „sauber“ sein, zumindest sind die Top-Holdings sehr kleinteilig:

19022016HWBüberbl

 

Auch stellt sich die Frage, wie ein Investmentfonds, dessen Anlageschwerpunkt mit Europa angegeben wird, von argentinischen Anleihen betroffen sein kann? Laut Factsheet ist dies aber der Fall.

Zwei von sicher mehreren möglichen Antworten könnten sein:

  1. Falsche Datenwiedergabe auf den genannten Factsheets
  2. Ursprünglich mag der Anteil an Argentinien-Anleihen in den Fonds relativ klein gewesen sei. Durch Abflüsse aus den Fonds, die durch Verkauf anderer Investments aus den Fonds heraus finanziert wurden, ist der relative Anteil der Argentinien-Anleihen dann gestiegen.

Unabhängig, wie die tatsächliche Antwort lauten wird (Wir werden versuchen Ihnen hier im Blog demnächst weitere Informationen zu geben) bedeutet dies für Anleger aber, dass

  • es niemals ausreicht nur anhand von Factsheets zu entscheiden
  • Investitionsentscheidungen in Investmentfonds laufend überprüft werden sollten
  • und dabei nicht nur auf die Wertentwicklung geachtet werden sollte

Schon die Schliessungswelle der Offenen Immobilienfonds hatte gezeigt, dass Handelbarkeit der Assets innerhalb der Fonds und mögliche Auswirkungen von Mittelabflüssen, bedeutende Kriterien für erfolgreiche Investmententscheidungen sind.

Ein Grund mehr, auf mögliche Illiquiditätsrisiken zu achten. Lesen Sie dazu auch : Renten: Blase und Liquidität


 

1 Mitteilung der LRI Invest S.A. zu HWB Fonds

2 Finanz Monitor: HWB Capital Management: Aussetzung der Anteilswertberechnung

8 Kommentare

  • Heißt das, die Anleger haben ihr Geld komplett verloren?

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  • Grundsätzlich bedeutet eine Aussetzung der Anteilsrücknahme nicht, dass das Geld komplett oder auch teilweise verloren ist. Es ist nur nicht aktuell in der Art und Weise verfügbar, indem man wie ansonsten seine Investmentfondsanteile direkt an die Gesellschaft „zurück gibt“. Den internen Wert der jeweiligen Papiere kann man auf diversen Portalen wie onvista, finanzen.net usw. verfolgen. Wenn man dort nachschaut, sieht man abhängig vom Zeitpunkt, wann man investiert hat, ob sich aktuell ein Gewinn oder Verlust ergibt. Also die „Schliessung“ ist nicht gleichbedeutend mit Verlusten. Ich hoffe diese Auskunft ist zunächst ausreichend.

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  • Darf die HWB bei geschlossenen Fonds weiter monatliche Abbuchungen vom Konto des Fondsinhabers vornehmen, ohne den Inhaber von der Schließung zu informieren?

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    • Guten Morgen, Herr Hasse. In § 37 Abs 2 Investmentgesetz heißt es: „Solange die Rücknahme ausgesetzt ist, dürfen keine Anteile ausgegeben werden.“ Wenn Abbuchungen von Ihrem Konto vorgenommen wurden, während die Rückgabe von Anteilen nicht möglich war, wäre dies dann unzulöässig, sofern die Abbuchungsbeträge dazu verwanst wurden, neue Fondsanteile zu kaufen. Bitte beachten Sie aber das wir keine Rechtsberatung vornehmen dürfen. Verbindliche Auskunft bezogen auf Ihren persönlichen Fall darf Ihnen nur ein Rechtsanwalt geben. Ich hoffe aber, diese allgemeine Auskunft hilft Ihnen weiter.Link zum Gesetz: http://www.buzer.de/gesetz/6331/a87875.htm

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  • Angeblich wurde der Anteilhandel ausgesetzt zum Schutz der Anleger. Die HWB-Fonds machen aber genau das, was sie seit vielen Jahren machen, von ein paar Ausnahmewochen (zB Eröffnung der Verhandlungen mit Argentinien): Sie fallen wie die Steine.

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  • Gibt es denn mittlerweile etwas neues zu berichten von den HWB Fonds?
    Sie sind ja immer noch vom Handel ausgesetzt, mittlerweile über ein Jahr.

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    • Tut uns leid, aber wir verfolgen das Thema HWB aktuell nicht weiter. Unsere Kunden sind und waren nicht in diese Fonds investiert. Der eigentlich Beweggrund über HWB zu berichten lag darin, dass man sich im Zusammenhang mit Investmentfonds nicht nur mit den Kriterien Rendite und Sicherheit (hier im Sinne von möglichen Kursverlusten) beschäftigen sollte, sondern auch mit dem Thema Liquidität. Unserer Meinung nach wird auf dieses Thema viel zu wenig geachtet.

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