Fast alle klassischen Anlagemärkte im Minus – Warum?

Sowohl im letzten Monat als auch auf Jahressicht waren fast alle großen Aktienmärkte deutlich im Minus. In vergangenen Zeiten traf dies einen Anleger, der klassisch diversifiziert hatte weniger. Denn früher galt, wenn Aktien im Kurs fallen, steigen die Rentenpapiere (festverzinsliche Wertpapiere). Es gibt zwar sehr viele unterschiedliche Arten von Rentenpapieren, die beiden größten unterschiedliche Arten von Rentenpapieren stellen aber die Staatsanleihen und Unternehmensanleihen dar. Eine Diversifikation nur durch Anlagen in  Aktien und Staatsanleihen führte aber weder auf Monatssicht noch während der letzten 12 Monate auf den größten regionalen Aktienmärkten zum Erfolg:

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In den letzten 30 Tagen waren nur die Aktienmärkte in Südafrika, Russland und Mexiko im Plus. Und: In nahezu allen Länder mit einer negativen Aktienmarktentwicklung konnten auch mit 10-Jahres Staatsanleihen nur negative Ergebnisse erzielt werden. Wem dieser Ausblick zu kurzfristig ist, der mag sich die Entwicklung der vergangenen 12 Monate anschauen:

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Auch hier zeigt sich, dass mit Aktien und Staatsanleihen keine ausreichende Diversifikation erreicht werden konnte. In der Regel konnte Verluste auf den Aktienmärkten nicht ansatzweise durch positive Ergebnisse der Staatsanleihen ausgeglichen werden. Der einzige Effekt einer Aufteilung der Anlagen zu 50% in Aktien und 50% in Staatsanleihen wäre dass der Verlust relativ kleiner ausgefallen wäre. Ein Investor, der in den genannten Zeiträumen flüssiges Kapital benötigt hat, konnte in fast allen Fällen nur das kleinere „Verlustübel“ wählen.

Wurden zur Diversifikation Unternehmensanleihen gewählt, so ergab sich ein noch schlechteres Ergebnis. Der iShares Global High Yield Corp Bond UCITS ETF, ein ETF-Fonds der die Entwicklung von hochverzinsten Unternehmensanleihen abbildet, erzielte in der Zeit vom 4.2.2015 bis zum 4.2.16 ein Verlust von 7,87% auf US-Dollar-Basis.

Alllerdings sind Hochzinsanleihen tendentiell mit einem höheren Risiko behaftet.

Als relativ „sichere Häfen“ könnte man Anleihen bezeichnen, die ein Investment Grade aufweisen, also zum Beispiel als Mindest-Ratingstufe bei Standard und Poors`s ein BBB haben. Diese werden zum Beispiel in dem ETF  iShares Global Corporate Bond UCITS ETF abgebildet (allerdings sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen). Allerdings ergab sich auch hier in dem betrachteten Zeitraum ein  Verlust von 3,17%.

Weshalb funktioniert die Diversifikation nicht mehr?

„Klassisch“ ist die „normale“ Entwicklung von Aktien und Staatsanleihen wie folgt zu erklären. Wollen Anleger vor den Verlusten auf Aktienmärkten „fliehen“ und suchen sie stattdessen die Sicherheit von Staatsanleihen, so steigt die Nachfrage nach Staatsanleihen und entsprechend müssten diese teurer werden. Die Kurse müssten also steigen. Allerdings wirken hier auch Wechselkursveränderungen mit und damit auch die Geldmengenpolitik der Zentralbanken. Zudem ist auch durch die expansive Geldmengenpolitik das Zinsniveau von Staatsanleihen derart gering, dass Staatsanleihen vom Ertragspotential wenig interessant sind.

Deutlich höhere Zinsen bieten Unternehmensanleihen. Müsste dann die Nachfrage und damit deren Kurse nicht steigen? Eigentlich ja, es sei denn die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen wird so negativ beurteilt, dass vermehrt Ausfälle erwartet werden. Dies sollte in erster Linie aber Hochzinsanleihen und nicht Rentenpapiere mit Investment Grade betreffen.

Der Markt funktioniert also nicht mehr, so wie er sollte – oder wie man meint, dass er funktionieren sollte. Der Markt kann aber grundsätzlich nur funktionieren, wenn Handel stattfindet. Dazu müssen Märkte liquide sein. Zumindest aber der Markt für Anleihen ist nicht mehr so liquide wie in vergangenen Zeiten. Lesen Sie dazu auch auf unserem Blog finanzenlounge: Renten: Blase und Liquidität. 

Fehlende Handelsmöglichkeiten (Illiquidität auf den Rentenmärkten) könnten also durchaus ein Grund dafür sein, dass alte Diversifikationsmöglichkeiten nicht mehr erfolgreich sind.

Aber: Ökonomie ist äußerst komplex, sodass es vielfältige andere und/oder weitere Erklärungen geben mag.

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