Schwellenländer-Investmentfonds – Zählt nur Marketing? Am Beispiel Mark Mobius.

Mark Mobius, der Chef des legendären Investmentfonds Templeton Emerging Market Fonds, hat sicherlich bedeutende Verdienste, indem er die Schwellenländer als Anlagenziel populär machte. Auch heute noch ist er – und oder seine PR-Mitarbeiter – ein Meister in der Selbstdarstellung und Darstellung seines Investmentfonds in der Presse.

Aktuell lauten die Schlagzeilen:

  • Der Guru nimmt den Hut: Mark Mobius nimmt Abschied als Chef von Templeton Emerging Trust (1)
  • Mark Mobius: Eine Legende tritt ab (2)
  • Der Altmeister der asiatischen Aktie tritt kürzer (3)

Hinter den hier aufgeführten Pressemitteilungen steht, dass Mark Mobius , die Leitung des britischen Flaggschiff Fonds an seinen bisherigen Co-Manager Carlos von Hardenberg übergibt. Mark Mobius bleibt aber weiter an dem Management des Fonds beteiligt und leitet ebenfalls die 52 Mann starke Templeton Emerging Markets Gruppe weiter. (4) Mark Mobius ist seit 1987 bei Templeton tätig. Ist also eine solche teilweise Einschränkung seiner Tätigkeiten derartige Schlagzeilen wert?

Zumindest lässt sich damit der Investmentfonds noch einmal gut in die Presse bringen. So heißt es zum Beispiel in der Online-Ausgabe der österreichischen Zeitung Wirtschaftsblatt „Der Templeton Trust hatte in den ersten Jahren nach der Gründung durch Mobius 1989 überragende Erträge geliefert.“ (5) Im Folgenden wird zwar eingeschränkt, dass die Performance zuletzt nachließ und auf 3- Jahresbasis deutlich der Benchmark hinterherlauf.

Die in Deutschland verfügbare Tranche des Fonds gibt es seit dem 28.2.1991 (Templeton Emerging Markets Fund A (Ydis) USD , WKN 971658). Um den Fond im Vergleich mit anderen Investmentfonds der gleichen Anlagekategorie zu vergleichen, sollte zunächst ein potentieller Anlagezeitraum definiert werden. Für eine Anlage in Aktienfonds, speziell in Emerging Markets Fonds wird üblicherweise eine längere Haltungsdauer empfohlen.

In dem folgenden Chart wird die Wertentwicklung dieses Fonds mit dem Durchschnitt der im gleichen Segment tätigen Fonds verglichen. Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen betrachten wir hier so genannte rollierende Zeiträume. Es wird also die Wertentwicklung des Fonds bzw. des Fondsdurchschnitts für jeden Monatsbeginn seit März 1991aufgezeigt, der sich bei einer Haltedauer von zehn Jahren ergibt:

15072015templ1Man erkennt hier sehr deutlich, dass sich eine überdurchschnittliche Performance nur in den Anfangsjahren bis ca. 1993 ergeben hat. In den meisten Zeiträumen danach zeigte der Fonds nur unterdurchschnittliche Ergebnisse. (Allerdings muss hierbei darauf hingewiesen werden, dass in der Durchschnittsberechnung der Investmentfonds nicht nur breit anliegende Investmentfonds enthalten sind sondern auch Investmentfonds in speziellen Marktsegmenten der Schwellenländer. Insgesamt umfasst die Datenbasis Investmentfonds über 800 Datensätze).

Interessant ist es von daher, einmal nur die Schwellenländer-Fonds zu vergleichen, die eine ähnlich lange Historie wie der Templeton Emerging Market Fonds haben:

Unsere Datenbank nennt neben dem Templeton zwei weitere Fonds, die seit Anfang 1992 speziell in den Emerging Markets investieren, den KBC Equity New Markets sowie den Pictet Emerging Markets:

15072015templ2Schon diese Grafik zeigt, dass auch in den „Frühzeiten“ der Templeton Emerging Markets keine Outperformance lieferte (Zeitraum 1992 bis 1996).

Aber fassen für noch einmal die Ergebnisse der rollierenden Einmalanlagen seit 03/1991 (Beginn der ersten 10-Jahresanlage) bis 02/2001 (Beginn der letzten betrachteten Einmalanlage, die folglich Ende Jan 2011 endete). Es wurden damit insgesamt 120 Anlageperioden gemessen:

  • Im Durchschnitt dieser Anlageperioden ergab sich für den Templeton ein jährliches Ergebnis von 4,22%. Der entsprechende Fondsdurchschnitt kam auf ein Ergebnis von 5,62%.
  • In der schlechtesten aller betrachteten Perioden schloss der Templeton mit -1,34% ab, der Fondsdurchschnitt wies mit -0,82% geringere Verluste auf.
  • Das beste Periodenergebnis des Templeton brauchte ein Ergebnis von 10,63%. Der Fondsdurchschnitt schaffte allerdings 12,81%.
  • Lediglich in 19 der betrachteten 120 Perioden schlug der Templeton den Fondsdurchschnitt.

Kommen wir auf den Anfang des Beitrages zurück. Wenn in den aktuellen Zeitungsbeiträgen zur teilweise Änderung der beruflichen Position von Mark Mobius von einem Guru, Altmeister oder eine Legende gesprochen wird, kann sich dies nur darauf beziehen, dass Mobius die Schwellenländer als Anlageregionen interessant machte und sicherlich zur Etablierung dieser Form von Geldanlage betrug. Es sollten aber keine Rückschlüsse gezogen werden, dass ein Guru oder Altmeister automatisch auch ein Performance-Meister ist.

Fragt sich nur, weshalb der Investmentfonds dann derart große Geldsummen einsammeln konnte. Alles Marketing?


 

Disclaimer:

Dieser Beitrag ist nicht als Anlage und/oder Verkaufsempfehlung zu sehen.


 

(1) Wirtschaftsblatt

(2) Börse Express

(3) Finews

(4) FondsProfessionell

(5) Wirtschaftsblatt

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