Anlagestrategien: Winner oder Loser-Strategie?

Vor einiger Zeit las ich einen durchaus nett geschriebenen Artikel (1) mit einem Vergleich zweier einfach strukturierten Anlage-Strategien. Welche der beiden Strategien sei erfolgreicher?

  • Winner-Strategie: In diesem Fall wird immer auf die aktuellen Gewinner gesetzt. Es werden also zum Beispiel die Aktien gekauft, die zuletzt im Kurs gewonnen hatten.
  • Loser-Strategie: Dies ist die eher antizyklische Strategie. Es werden die Aktien gekauft, die aktuell gerade verloren hatten.

Letzendlich geht es bei der Entscheidung für die eine oder andere Strategie darum, ob antizyklisches Verhalten sinnvoll sei. Wäre dies so, müsste man die Loser-Strategie wählen.

Im oben angesprochenen Artikel wurde allerdings die Winner-Strategie als die erfolgreichere Strategie dargestellt. „Bewiesen“ wurde dies mit einer Grafik, die die Entwicklung der Strategien im Langfristvergleich zeigt (Link zum Artikel und zur Grafik unten).

Meine Anführungszeichen sind berechtigt. Zwar zeigte sich die Winner-Strategie im Zeitraum vom Dezember 1989 bis Dezember 2013 als deutlich überlegen in der Performance. Würde man aber – mit etwas geübtem Auge – den Zeitraum von 2007 bis Dezember 2013 betrachten, so hätte die Winner (1)-Strategie in diesem Zeitraum ihre hohen Verluste nicht aufgeholt. Zwar hätte auch die Loser-Strategie noch Verluste zu verzeichnen, nur eben deutlich geringere. (Übrigens: In diesem Zeitraum wäre eine Investition in den MSCI World Index ohne Verluste möglich).

Also: immer vorsichtig mit Grafiken!

Dennoch hier eine andere Grafik. Sie zeigt farblich auf, wie unterschiedlich sich unterschiedliche Anlageklassen über die Jahre von 2004 bis 2014 entwickelten. Ein Muster der Entwicklung ist dabei schwerlich zu erkennen:

20032015wfWas ist der Grund dafür, dass es so schwer ist, ein Muster auszumachen?

Kurse von Wertpapiern ergeben sich in letzter Konsequenz immer aus Angebot und Nachfrage. Genauer müsste man formulieren, Kurse ergeben sich aus unterschiedlichen Erwartungen der Käufer und Verkäufer. Die Erwartungen wiederum hängen von dem wirtschaftlichen Umfeld sowie von wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Diese ändern sich wiederum fortwährend. Deshalb ist zum Beispiel ein sehr lange Rückwärtsbetrachtung nicht immer sinnvoll.

Gibt es denn überhaupt eine verlässlich sinnvolle Strategie?

Wahrscheinlich eher dann nicht, wenn es das alleinige Ziel ist, Rendite zu maximieren. Ist das Anlageziel dagegen anders formuliert, z.B. eine möglichst adäquate Rendite bei vorgegebenem Risiko zu erzielen, so lassen sich sehr voll ordentliche Ergebnisse erzielen. Dann wären wir aber bei dem Thema Diversifikation.


(1) Euro Fund Research, Mythos 6: Gegen den Strom kaufen

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